Curriculum

Ausbildung in Kooperation mit dem SvT-Institut

Dauer

Die Ausbildung umfasst 8 Module mit insgesamt 22 Tagen zu üblichen Seminarzeiten.

Der zeitliche Aufbau der Ausbildung bietet die Möglichkeit, erworbenes Wissen und Können zwischen den einzelnen Modulen in der Praxis zu erproben und die eigene Mediationskompetenz reifen zu lassen.

Persönliche Weiterentwicklung und Praxistransfer

Begleitend zur Ausbildung finden zwischen den Modulen selbstorganisierte Peergruppentreffen statt (insgesamt 20 Stunden).
Die Teilnehmenden arbeiten an persönlichen Entwicklungsthemen bezogen auf ihre Rolle als Klärungshelfer:in und ihre eigenen Kommunikationsmuster. Der Einstieg in die Praxis anhand eigener Mediationstätigkeit ist spätestens nach Modul 3 vorgesehen.

In der zweiten Hälfte der Ausbildung werden im Rahmen der Module Fallsupervisionen durchgeführt.

Diese Supervision sowie einzureichende Falldokumentation(en) über eigene Klärungsfälle sind neben der Teilnahme an den Lerngruppen Bestandteil der Leistungsanforderungen für den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Das Curriculum berücksichtigt die berufsrechtlichen Rahmenbedingungen für Klärungshelfer:innen und Mediator:innen aufgrund des Mediationsgesetzes (gem. §§ 5 II, 6 MediationsG i. V. m.) sowie der Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren (ZMediatAusbV) des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz und geht sogar über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus.

Module

Modul 1: Einführung in Klärungshilfe und Grundlagen (3 Tage)

Wir führen von A-Z in das Vorgehen der Methode Klärungshilfe ein. Dazu gehören wesentliche Verfahrensprinzipien, die Struktur der einzelnen Phasen, die Rolle des Klärungshelfers / der Klärungshelferin sowie die wichtigsten rechtlichen Rahmenbedingungen gebildet durch das Mediationsgesetz.

Es werden erste praktische Erfahrungen mit wichtigen Techniken in der Mediation und insbesondere mit einem der Kern-Werkzeuge der Klärungshilfe, dem dialogischen Doppeln, gesammelt. Die Basis der Ausbildung, das humanistisch-systemische Menschenbild wird erweitert durch Grundlagen der Konfliktpsychologie.

Persönliche Standortbestimmungen und erste Entwicklungsprojekte sollen sicherstellen, dass die Teilnehmenden im Laufe der gesamten Ausbildung ihre jeweiligen individuellen Ziele im Blick behalten.

Modul 2: Der Werkzeugkoffer der Klärungshilfe (3 Tage)

Im Fokus dieses Kurses steht die Mediation von Zwei-Personen-Konflikten. Gearbeitet wird schwerpunktmäßig an der Erhebung und Formulierung der Konfliktthemen beider Parteien sowie an verschiedenen Methoden der Vertiefung des Dialogs. Hier wird es u. a. auch um Kernkompetenzen der Gesprächsführung gehen wie z. B.: Strukturieren des Vorgehens, verschiedene Fragetechniken, Verstehen eines geschilderten Sachverhalts durch Aktives Zuhören, faires Streiten sichern sowie Visualisierungstechniken. Ferner blicken wir auf den Umgang mit herausfordernden Situationen in der Mediation.

Vertiefend behandeln wir die Modelle der Hamburger Kommunikations-Psychologie, welche Konfliktdynamiken verdeutlichen, als eine Art Konfliktanalysetool das Verständnis für Verhalten und Emotionen in Konflikten fördern und gleichzeitig Handlungsrichtungen für die Interventionen in der Klärungshilfe geben.

Modul 3: Auftragsklärung und Beziehungsdynamiken (2 Tage)

Einen Auftrag gut zu erfassen und dabei zwei Konfliktbeteiligte für eine Klärung zu gewinnen, beschäftigt uns im dritten Modul: Worum kann und soll es in einer Mediation gehen, was möchten die Beteiligten (nicht) erreichen und was wurde bislang bereits unternommen, sind einige der zu klärenden Fragen. Befürchtungen und Hoffnungen gekonnt ansprechen und den passenden Rahmen miteinander zu gestalten, sind die Aufgaben der Mediator:innen zu Beginn einer Mediation.

Für die Mediand:innen ist es zudem wichtig, die Verabredungen in Form einer Mediationseingangsvereinbarung festzuhalten. Die Formulierung von Mediationsverträgen ist deshalb ebenfalls Bestandteil dieses Moduls.

Vertieft befassen wir uns zudem mit den Bedürfnissen der Einzelnen und möglichen Dynamiken zwischen den Parteien. Ziel des Moduls ist es zu lernen, Konfliktdynamiken zu erkennen und diese unter Berücksichtigung der emotionalen Beteiligung der Konfliktbeteiligten gewinnbringend anzusprechen sowie die Voraussetzungen für einen Perspektivwechsel dadurch zu schaffen.

Modul 4: Selbstverständnis, Rolle und rechtliches Handwerkszeug (2 Tage)

Neben den „handwerklichen Fertigkeiten“ geht es im vierten Modul um die Rolle und das berufliche Selbstverständnis als (künftige) Klärungshelfer:in.

Zusammen mit einer:m juristischen Gastdozent:in klären wir die Bedeutung des Rechts in der Mediation und gehen u. a.auf folgende Fragen differenzierter ein: Was sind die Aufgaben / Pflichten und was gehört nicht dazu? Welche rechtlichen Grundlagen, Rahmenbedingungen sowie besondere Kenntnisse, wie die Vergütung als Mediator:in, sind wichtig? Wie wird eine notwendige rechtliche oder steuerliche Beratung eingebunden? Wie werden Abschlussvereinbarungen so formuliert, dass sie tragfähig und vollstreckbar sind? Wofür haftet eine Mediator:in (nicht)? Welche Rolle spielen die beruflichen Hintergründe einer Mediator:in?

Alle Fragen werden mit Bezug zu den rechtlichen Grundlagen (wie beispielsweise dem Rechtsdienstleistungsgesetz oder dem Mediationsgesetz) beantwortet.

Modul 5: Teamkonflikte und ihre Dynamiken (3,5 Tage)

In diesem Modul erweitern wir das mediative Repertoire auf den Umgang mit Gruppen und Teams. Anhand eines konkreten Falles werden die Vorgehensweisen in den verschiedenen Phasen der Klärungshilfe für Mehrpersonenkonflikte theoretisch erläutert und unmittelbar praktisch erprobt.

Spezifische Anforderungen, wie z. B. der Umgang mit Hierarchie und Machtungleichgewichten, Außenseiterproblematiken oder Koalitionsbildungen, fließen als Vertiefungsthemen ein. Es wird äußerst praxisnah gearbeitet – die Herausforderungen, die sich für Mediator:innen in den Rollenspielen / in der Arbeit mit Gruppen ergeben, werden in supervisionsähnlichen Settings reflektiert. Wir sprechen über verschiedene unterstützende Settings wie z. B. Co-Mediation oder Einzelgespräche mit den Beteiligten.

Modul 6: Vertiefung Teamklärung und Supervision (2,5 Tage)

Den Schwerpunkt dieses Moduls bildet die Fallsupervision der eigenen Praxiserfahrungen in der Rolle des/der Klärungshelfers:in Neben der Praxisreflexion richten wir den Blick auch auf die persönlichen Entwicklungsvorhaben der Teilnehmenden in der Rolle der Mediator:in. Außerdem gehen wir der Frage nach, wie jede:r persönlich am Markt sichtbar werden möchte.

Inhaltlich vertieft wird der Bereich Teamklärung, u.a. mit den Themen: Umgang mit besonderen Dynamiken (alle gegen einen / Mobbing einschließlich möglicher rechtlicher Hintergrundkenntnisse) und Nachsorge. Methodisch steht die Kombination von Methoden und Modellen sowie die Übergänge zwischen den verschiedenen Phasen in der Klärungshilfe im Vordergrund.

Modul 7: Teamklärung - Komplexe Fälle (3 Tage)

In diesem Modul geht es um eine Teamklärung mit einer großen Anzahl an Beteiligten oder mit mehreren Interessensgruppen – also um die Mediation komplexerer Konfliktstrukturen. Des Weiteren werden uns Methoden der Konfliktbearbeitung zwischen Arbeits- oder Organisationseinheiten beschäftigen u. a. die Arbeit mit Stellvertreter:innen.

Methodisch schauen wir in dieser Einheit über den Tellerrand der klassischen Klärungshilfe hinaus und beschäftigen uns mit der Entscheidungs- und Lösungsfindung in Gruppen (wie z. B. mit den Verhandlungstechniken nach dem Harvard Prinzip, dem Brainstorming, der Kartenabfrage, dem Mindmapping oder auch der Widerstandsabfrage). Wir gehen der Frage nach, welche Lösungen von den Beteiligten als rechtlich tauglich, vor allem aber als gerecht und fair wahrgenommen werden und wie sich Bewertungskriterien für die Lösungsfindung verabreden lassen.

Modul 8: Abschluss-Kolloquium (3 Tage)

Zum Abschluss der Ausbildung widmen wir uns erneut den individuellen Entwicklungswegen der einzelnen Teilnehmenden in ihrer Rolle als Klärungshelfer:in ihren besonderen Stärken und Fähigkeiten sowie individuellen Grenzen in der Mediation.

Neben Fallsupervisionen und der Reflexion der eigenen Entwicklung geht es außerdem inhaltlich um das Thema: Wie können Klärungsprozesse gut beendet werden? Welche Formen der Prozessbegleitung bei der Dokumentation und der Umsetzung von Vereinbarungen, Lösungen und neuen Wegen gibt es? Wie funktioniert eine gute Nachhaltigkeitssicherung und Nachsorge?
Eine feierliche Zertifikatsübergabe rundet dieses Modul und die Gesamt-Ausbildung ab.

Termine und Informationen

Modul 117.02. – 19.02.2022(3 Tage)
Modul 207.04. – 09.04.2022(3 Tage)
Modul 309.06. – 10.06.2022(2 Tage)
Modul 409.09. – 10.09.2022(2 Tage)
Modul 509. 11. – 12.11. 2022(3,5 Tage)
Modul 619..01. – 21.01.2023(2,5 Tage)
Modul 727.02. – 01. 03.2023(3 Tage)
Modul 820. 04. – 22.04.2023(3 Tage)

Ort: Visselhövede

Teilnehmerzahl: max. 16 Personen

Kosten: 9.900,- EUR zzgl. gesetzlicher MwSt.
sowie zzgl. Übernachtung und Verpflegung am Tagungsort


Tagungszeiten:
Beginn am 1. Seminartag um 10 Uhr und an den weiteren Tagen um 09 Uhr. Die Arbeitszeiten betragen pro Tag 8 Stunden exkl. Pausen. An ausgewählten Tagen werden wir einige der Themen nach dem Abendessen vertiefen.


Wir überbrücken die Zeit, bevor es losgeht

Pandemiebedingt verschiebt sich der Start unserer Mediations-Ausbildung Klärungshilfe auf Februar 2022. Im September starteten wir deshalb mit einer ersten Verkostung von Schlüsselthemen rund um die Klärungshilfe. Sie möchten mehr über diese spezielle Mediationsmethode erfahren? Sie moderieren Konflikte und möchten sich über Ihre Erfahrungen austauschen? 

Dann sind Sie richtig bei unserem kostenfreien, virtuellen „Lunch & Learns“. Die nächste Möglichkeit einer Kostprobe besteht am 12. November 2021 von 12.30 – 13.30 Uhr. Wir bereiten interessante Themen für Sie vor und informieren Sie rechtzeitig. Reservieren Sie sich jetzt schon eine Lücke in Ihrem Kalender.

Willkommen sind alle Menschen, die sich beruflich mit Konflikten beschäftigen, die in Organisationen und in Teams arbeiten und die auf der Suche nach kleinen Häppchen und Ideen für einen konstruktiven Umgang miteinander sind. Die Teilnahme ist kostenlos. Bringen Sie gern interessierte Kolleg:innen mit.

Herzlich, Ihr KiO-Team

Den Teufel bei den Hörnern packen
Konfliktdynamiken verstehen bei Konflikten im Beruf

Dass Konflikte aufgrund von unterschiedlichen Vorlieben und Arbeitsweisen im Team entstehen, gehört zum ganz normalen Alltag. Sowohl als Führungskraft als auch als Trainer:in, Konfliktmoderator:in oder Team-Coach:in begegnen uns solche Auseinandersetzungen, die sich oft schon längere Zeit aufgeschaukelt haben. Sie müssen diese Situationen nicht lieben – leichter fällt der Umgang jedoch, wenn Sie mit ihnen professionell umgehen können.

Zu den Aufgaben einer Führungskraft gehört es, sich für Konflikte verantwortlich zu fühlen. Auch Trainer:innen oder Konfliktberater:innen sollten Konfliktdynamiken erkennen und die Beteiligten unterstützen können, diese aufzulösen – idealerweise, bevor sie eskalieren und sich toxische Muster und Dauerkonflikte entwickeln.

Auch wenn Sie sich als Kolleg:in in konflikthaften Situationen in Teufelskreisen verfangen, hilft eine Veränderung des Blickwinkels. Durch die Analyse von antreibenden Kräften und Ereignissen und vor allem durch das Bemühen um ein gegenseitiges Verständnis für die Hintergrundmotive aller Beteiligten kann ein Ausstieg gelingen.

Die Kunst liegt zudem darin, die im Konflikt enthaltene Chance zur Weiterentwicklung zu nutzen. So können im besten Fall Eigenarten und Besonderheiten der verschiedenen Teampersönlichkeiten in gewinnbringende Ressourcen für das gesamte Team verwandelt werden. Dazu gehört eine Bewusstheit über die eigene Art, innerlich und äußerlich auf Konflikte zu reagieren.

Für konstruktive Bearbeitung von Konflikten gibt es einen „Handwerkskoffer“ mit Tools und Techniken. In unserem zweiten „Lunch&Learn“ am 12.11.2021 von 12.30 – 13.30 Uhr stellen wir vor, wie man die „Vogelperspektive“ einnehmen kann: sowohl in eigenen in Konflikten als auch dann, wenn Mitarbeiter:innen oder Teilnehmende betroffen sind. Sie erfahren, woran man Teufelskreise erkennt und wie ein Ausstieg möglich ist als Basis für Lösungen, die für alle Beteiligten akzeptabel sind.

Hier können Sie sich anmelden: Lunch&Learn am 12.11.2021

Am 24.09.2021 starteten wir mit dem Thema:

„Jetzt lassen Sie uns doch mal sachlich bleiben! … oder gerade nicht?!“Konstruktiver Umgang mit Emotionen bei Konflikten im Beruf

Ohne Emotionen geht es nicht – sie spielen in Konflikten eine zentrale Rolle. Die meisten Menschen können ihre Gefühle jedoch nicht steuern, wenn sie mitten in einer akuten Konfliktsituation stecken. Die Klärungshilfe bietet Werkzeuge an, um Gefühle zu verstehen und konstruktiv zu nutzen und dabei sowohl die persönlichen Grenzen der Konfliktparteien als auch die jeweilige Unternehmenskultur, in der sich der Konflikt abspielt, zu wahren.

Folgende Fragen ließen wir uns auf der Zunge zergehen:

  • Was tue ich, wenn ich als zuständige Führungskraft mit negativen Gefühlen und emotionalen Reaktionen von Konfliktbeteiligten konfrontiert werde? 
  • Wie kann ich als Konfliktmoderator:in die Konfliktparteien unterstützen, wenn es z.B. „heiß hergeht“?
  • Wie gehe ich vor, wenn Tränen fließen?
  • Wo verläuft die Grenze zum Privaten? Gehört das Sprechen über Gefühle in den beruflichen Kontext? Wenn ja, in welchem Rahmen?
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